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Niederwildhege - gerade jetzt!

von Michael Saar

Niederwild AG


Liebe Jägerinnen und Jäger,
Niederwildhege ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Wir alle sind soweit vom Schwarzwild dominiert, dass wir kaum für etwas anderes Zeit aufwenden können und wollen, selbst Rehwild, früher unsere Hauptwildart, wird meist nur nebenbei bejagt, dazu noch ein paar Füchse. Bei allen Freuden, die natürlich auch die Schwarzwildjagd bietet, unsere Jagd ist arm geworden!
Bei der letzten Kreisversammlung, hat Fritz Scheid vorgetragen, dass gerade noch 26 Hasen auf der Strecke gemeldet worden sind. 26 !!!!! Im kompletten Kreis St. Wendel !!! Die wurden früher in jedem einzelnen Revier erlegt!!
Die Jagd ist an einem Scheidepunkt angekommen. Noch sind die Niederwildbestände nicht ganz verschwunden. Die niedrigen Strecken liegen natürlich auch an der reduzierten Bejagung. Aber ist das der richtige Weg? Ich glaube nicht. Das Beispiel Rebhuhn hat gezeigt, dass reduzierte Bejagung den Rückgang des Bestandes in keiner Weise aufhält oder sogar wieder zu einem Ansteigen führt. Das Rebhuhn ist trotz Einstellung der Bejagung bis auf geringste Restbestände aus nahezu allen Revieren verschwunden. Es liegt an uns, dass es mit dem Hasen und Fasan nicht genauso geht!!
Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, die aktuellen Bestände zu erhalten bzw. so zu stützen, dass auch eine moderate Bejagung möglich ist, bzw. bleibt. Denn nur das kann der richtige Weg sein, Niederwild mit Hegemaßnahmen so zu unterstützen, dass ausreichende Restbestände verbleiben die dann auch jagdlich in vernünftigem Masse nutzbar sind. Wenn wir erstmal soweit sind, dass wir die Jagd dauerhaft komplett einstellen (müssen), ist das Ende nicht mehr weit.
Stellt sich zunächst die Frage, warum sollten wir das tun? Warum Zeit und Geld für Maßnahmen zur Niederwildhege aufwenden, wo wir doch kaum Zeit für etwas anderes haben, als die Schwarzwildjagd? Wo doch die Schäden schon so viel kosten? Und überhaupt, die Probleme durch die Landwirtschaft, Straßen, verlängerte Schonzeiten für Raubwild, Abschussverbot für wildernde Katzen, etc. etc. lassen sich doch sowieso nicht beeinflussen, es ist doch alles sowieso sinnlos!!!
Ich brauche(hoffentlich!)niemanden daran zu erinnern, dass wir Jäger für alle Wildarten verantwortlich sind. Es obliegt uns, alle Möglichkeiten zu nutzen, um artenreiche und gesunde Wildbestände zu erhalten. Wir sind aktive Naturschützer, diese Verantwortung für alles Wild ist das Kernelement des von uns praktizierten Naturschutzes! Das gilt für die Gegenwart, aber vor allem auch für die Zukunft. Wollen wir uns in ein paar Jahren fragen lassen, warum wir zugesehen haben, wie die Niederwildbestände verschwinden, so dass künftige Jägergenerationen den Hasen nur noch aus Lehrbüchern kennen, so, wie heute viele Jäger hohe 2 -stellige Zahlen an Sauen erlegt haben, aber noch nie ein Rebhuhn in freier Wildbahn gesehen haben?
Ein weiterer Grund betrifft uns alle, jetzt. Wollen wir wirklich zu reinen Schädlingsbekämpfern werden? Nur noch Schalenwild nach dem Motto Zahl vor Wahl tot schießen und dabei so blöd sein, dass wir für die Schäden der Tiere, die wir nicht tot schießen konnten auch noch bezahlen? Und dazu noch die Pacht, Kosten für Jagdbetrieb, usw.usw.? Wir berauben uns selbst eines faszinierenden Teils der Jagd, wenn wir uns nur noch auf Schalenwild konzentrieren. Niederwildhege und –jagd bereiten viel Freude und spannende jagdliche Erlebnisse, von den vielfältigen Jagdarten auf Raubwild bis hin
zum Entenstrich. Wer freut sich nicht, wenn er abends beim Ansitz 1 oder 2 Hasen in die Wiese ausrücken sieht? Wessen Herz schlägt nicht höher, wenn er gar die Fasanenhenne mit ihrem halbwüchsigen Gesperre beobachten kann? Lasst uns das nicht einfach aufgeben, wie ich eingangs sagte, die Jagd würde sehr viel ärmer sein.
Natürlich sind die Probleme vielfältig, aber keinesfalls so unüberwindbar, dass wir vornherein aufgeben müssten. Wir werden aufgrund der äußeren Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, wohl niemals mehr zu den Niederwildbeständen kommen, die es früher gab, wir können aber sehr wohl durch Dinge, die sich noch beeinflussen lassen, zumindest die aktuellen Bestände erhalten oder auch auf ein besseres Niveau bringen. Das geht aber nur mit entsprechendem Engagement, am besten ab sofort. Ein einfaches Einstellen der Bejagung wird uns in keinster Weise helfen und dem uns anvertrauten Niederwild auch nicht.
Es sind viele Maßnahmen möglich, die sehr effektiv sein können und auch mit vertretbarem Zeit- und Geldaufwand umsetzbar sind. Die Niederwild AG arbeitet daran, sie mit Ideen und Konzepten zu versorgen, die in der Praxis von jedem ausgeführt werden können. Wenn der Wille dazu da ist!!
Es sind die Jäger von heute, wir, die jetzt jagen, die darüber entscheiden, wohin der Weg führt. Es wäre katastrophal, wenn in 10 Jahren alles Niederwild den Weg des Rebhuhns gegangen wäre, die Restbestände unter ganzjähriger Schonzeit stünden (die auch nichts mehr nutzen wird) und wir uns fragen müssten, ob man nicht doch etwas hätte tun können. Und wenn wir dann nur noch bezahlende Schädlingsbekämpfer sind, haben alle, die Jagd an sich, die Jäger und das Wild verloren.
Noch ist die Chance da. Abgesehen vom Rebhuhn sind alle Niederwildarten noch mehr oder weniger flächendeckend vorhanden, auch wenn die Bestände dünn sind. Mit der Vermehrungsquote, zu der die Niederwildarten fähig sind, ist auch mit diesen Restbeständen das Potential zu stabileren Populationen vorhanden, wenn wir Jäger das unsere dazu beitragen, die Überlebenschancen in der heutigen Kulturlandschaft zu verbessern.
Lasst uns die Sache anpacken und die Chancen nutzen!


W. Schumann

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