Artenreiches St.Wendeler Land
Ein Naturschutzprojekt der Vereinigung der Jäger des Saarlandes – Kreisgruppe St.Wendel –

Unsere Offenlandbewohner sind bedroht und es betrifft nahezu alle Arten. Betroffen sind nicht nur die Insekten, sondern auch viele Vogelarten. Für alle Vogelarten stehen Insekten am Beginn der Nahrungskette. Auch bei denen, die später von Körnern und Samen leben, ernähren sich die Küken zunächst von Insekten, die in ausreichender Menge und leicht erreichbar vorhanden sein müssen. Großvögel wie Storch und die Greife ernähren sich wiederum von Beutetieren, die selbst wieder von Insekten leben. Aber auch bei Arten, die sich gar nicht von Insekten ernähren, wie z.B. der Feldhase, sind seit vielen Jahren starke Bestandsrückgänge zu beobachten.
Wir Jäger sind ständig in der Natur, wir beobachten vieles, was dem Nichtjäger auf Anhieb gar nicht auffällt. Und so wissen wir schon auch schon wesentlich länger, als das Thema in der Presse ist, dass die Bewohner des Offenlandes in der heutigen Kulturlandschaft buchstäblich ums Überleben kämpfen.
Wo aber liegen nun die Ursachen für diesen allgemeinen Artenrückgang? Es ist für jedermann nachvollziehbar, dass der Bestand einer Art zunimmt, wenn Geburtenrate und Erfolg bei der Jungenaufzucht über der Sterblichkeitsrate liegen und dass umgekehrt der Bestand abnimmt, wenn das nicht so ist. Damit eine neue Generation nachwachsen kann, müssen die Elterntiere zunächst ihre Jungen, Gelege oder Larven in einer Umgebung zur Welt bringen, in der zumindest eine Chance für deren Entwicklung besteht. Das gilt von der Ameise bis zum Reh. Diese Chance ist aber gering, wenn die entsprechenden Flächen im Frühjahr bereits intensiv mit Pflug, Mähwerk, Gülle und Spritzmitteln bearbeitet werden (oder alles zusammen, nacheinander). Beutegreifer, deren Junge geschützt im Bau zur Welt kommen oder z.B. Rabenkrähen sind hiervon viel weniger betroffen.
Landwirte müssen Wirtschaftsbetriebe führen und sind gezwungen so zu arbeiten. Viele Flächen aus dem nicht gewerblichen Bereich sind auch nicht besser. Wegeböschungen in Gemeindebesitz werden kurz gemäht und gespritzt, Streuobstwiesen bereits im Mai gemäht, Vorgärten in Steingärten umgewandelt usw. Bereits im ersten Stadium der Entwicklung fallen dadurch große Teile der neuen Generation aus.
Die wenigen, die diese Phase überleben, sehen sich bald neuen Gefahren ausgesetzt. Die im Frühsommer folgende zweite Mahd sowie das Anlegen der Maisgroßflächen zerstört zum Großteil das Wenige, was die Erste übriggelassen hat. Neben dem direkten Verlust durch Ausmähen der Gelege und Kleintiere sind die wenigen Blühpflanzen für Insekten, die es bis dahin noch gab, verschwunden. Es gibt kaum Deckung vor Fressfeinden. Natürlich finden diese Küken oder späte Gelege in kurzem Gras viel einfacher als in einer hochstehenden Fläche. Die Folge ist ein enorm hoher Verlust am sowieso schon geringen Nachwuchs.
Die Lösung des Problems kann also nur darin liegen, geeignete Flächen zu schaffen, in den der Nachwuchs mit ausreichender Überlebensquote durchkommt und anschließend auch genügend Nahrung findet. Gleichzeitig müssen Fressfeinde durch gezielte Bejagung auf vernünftige Bestandszahlen reguliert werden.
Vor diesem Hintergrund haben die Jäger in St.Wendel, auch inspiriert durch ein vergleichbares Vorhaben im Kreis Saarlouis, beschlossen, im Kreis St.Wendel ein Naturschutzprojekt, das diese Probleme angeht, umzusetzen. Ein Projektausschuss befasste sich mit den allgemeinen Randbedingen, die Jäger vor Ort waren aufgerufen, das Projekt in die Praxis umsetzen, dazu Gespräche mit Landwirten und Landbesitzern zu führen.
Ackerland sollte in Lebensraumflächen umgewandelt und in Streuobstwiesen streifenförmige Blühstreifen, bei gleichzeitig späten Zeitpunkt der Mahd nach dem 15. August, angelegt werden. Als Saatgut wurden für Ackerland die Mischung „Lebensraum I“ und für die Streuobstwiesen „Veitshöchheimer Bienenweide“ gewählt.
Saatgut wurde den Revieren kostenlos zur Verfügung gestellt. Dazu wurden 5500.- Euro zusammengebracht, alles Eigenmittel von Jägern, keinerlei öffentliche Gelder!! Die Bodenbearbeitung erfolgte in Eigenleistung der Reviere.
Bereits im ersten Projektjahr haben sich 18 Reviere mit insgesamt über 200.000 m2 Flächen (das entspricht rund 400 Bauplätzen!) beteiligt, die als Lebensraumflächen angelegt wurden. Die Flächen liegen meist im Privatbesitz der Jäger. Außerdem haben uns viele Landwirte und auch private Landbesitzer unterstützt. Vielen Dank dafür!!
Das Projekt soll weitergehen. Die Jäger sind weiterhin dabei, nach Flächen für die nächsten beiden Jahre zu suchen. Ziel ist es, bis 2021 50 ha, also 500.000 m2 zusammen zu bekommen und als Lebensraumflächen anzulegen. Wir sind optimistisch, das zu schaffen, werden für die Zukunft aber auch Unterstützung von aussen benötigen, sei es, indem man uns Flächen zur Verfügung stellt oder finanziell unterstützt. Das Projekt zeigt, ebenso wie unser Vorbild in Saarlouis, in beeindruckender Weise, wie engagagiert die Jäger im Naturschutz sind. Dies ist im wahrsten Sinne praktische Naturschutzarbeit vor Ort.
Wolfgang Schumann, Mitglied des Projektausschusses, Oberthal 15.6.19